Das KFG » Chronik

40 Jahre Erzbischöfliches Kardinal-Frings-Gymnasium Bonn-Beuel

Vor Beginn der Darstellung gilt es Missverständnissen vorzubeugen.

Zielsetzung dieses Beitrags ist es, einzelne Abläufe, Ereignisse und Momente aus 40 Jahren Schulgeschichte des KFG in lockerer Abfolge vorzutragen. Der Anspruch, eine komplette Dokumentation der Schulgeschichte zu erstellen,  liegt fern gemäß 1. Kor. 13,9: „Denn Stückwerk ist unser Wissen.“

Gründung und Baugeschichte

Am 9. April 1964 wird mit einem feierlichen Pontifikalamt, zelebriert von Weihbischof Wilhelm Cleven in der Schwarzrheindorfer Doppelkirche, das Erzbischöfliche Gymnasium als altsprachliches Gymnasium mit romanischem Zweig eröffnet.

Der damit beginnende Unterricht wird im neu errichteten Jugendheim „Haus Michael“ in Schwarzrheindorf erteilt.

Blicken wir kurz zurück: Wie kommt es zur Gründung unseres Gymnasiums?
Die Initiative dazu geht Ende der 50er Jahre von Josef Kardinal Frings, dem damaligen Erzbischof von Köln, aus. Sie hat zum Ziel, Führungskräfte für das öffentliche und kirchliche Leben an einer eigenen Schule in der damaligen
Bundeshauptstadt Bonn heranzubilden und wird zur ersten eigenen Schul- gründung des Erzbistums in Bonn.

Wären nun der Rat der Stadt Bonn und da insbesondere die Fraktionen der SPD und FDP bei der Bereitstellung eines Gründstückes für den Bau des Gymnasiums nicht so zögerlich gewesen, dann stände unsere Schule heute vermutlich im Bonner Norden, genauer gesagt in der Nähe der Straße „Am Wichelshof“ im heutigen Stadtteil „Bonn-Castell“.

Während Bonn also berät und berät, bietet die Stadt Beuel, damals noch selbstständig, auf Betreiben ihres Stadtdirektors Franz Brock dem Erzbistum ein großzügiges Grundstück an der Elsa-Brandström-Straße an, und das Erzbistum
greift kurzentschlossen zu. Die nun doch erfolgte positive Entscheidung des Bonner Rates für den Verkauf des Grundstücks am Wichelshof kommt zu spät.
Es kann also in Beuel gebaut werden.

Die einzelnen Phasen der Baugeschichte des Gymnasium bis zur feierlichen Einweihung am 7. Dezember 1968 sind vom Gründungsdirektor der Schule,
Herrn Dr. Aloys Zillien, in seinem Festschriftbeitrag über die Entstehungs- geschichte der Schule detailliert dargestellt worden.

Hier seien einige Daten hervorgehoben:

  • 10.Juni 1963: offizieller Baubeginn in Beuel, erster Spatenstich
  • 1. November 1963: Die ersten Schüleranmeldungen gehen ein.
  • 1. Februar 1964: Einrichtung eines Sekretariats, zunächst in der Godesberger Privatwohnung des Schulleiters
  • 9. April 1964: feierliche Eröffnung des Schulbetriebs, der noch in fremden  Mauern, im Haus Michael in Schwarzrheindorf, begonnen wird.
  • 1. August 1964: Die Schule zieht von Schwarzrheindorf nach Beuel-Süd, der Unterricht erfolgt nun – wiederum vorläufig -  in den inzwischen fertig-gestellten Lehrerwohnungen
  • 15. Dezember 1964:  Grundsteinlegung durch Schulbischof Cleven

Wir überspringen anderthalb Jahre Bautätigkeit.

  •  Seit Ostern 1966 ist das Hauptgebäude für die Schüler bezugsfertig; seit Juni1966 der Verwaltungstrakt;
  • 21. Juni 1966:  Einsegnung des Hauptgebäudes durch Weihbischof Cleven.

In der folgenden Zeit werden nach und nach die restlichen Bauabschnitte vollendet, im Herbst 1967 wird der Sportplatz freigegeben, ein Jahr später die gesamte Sportanlage mit Schwimm- und Turnhalle.

Seit dieser Zeit schiebt auch der bronzene „Bogenschütze“ im Atrium des Aulatraktes Wache.

Am 8. Dezember 1968 wird die Schule in Anwesenheit ihres Gründers, Kardinal Frings, feierlich eingeweiht. Das Schulfest dauert drei Tage lang.

Die rasche Entwicklung der Schülerzahl ist beeindruckend.  
Ostern 1964: Beginn mit 86 Schülern in 4 Klassen (2 Sexten, 1 Quinta, 1 Quarta)
Ostern 1965: 166 Schüler, 6 Klassen
Ostern 1966: 225 Schüler, 8 Klassen
Dezember 1966: 304 Schüler, 10 Klassen
August 1967: 376 Schüler, 12 Klassen
August 1968: 447 Schüler, 14 Klassen
Die ursprünglich geplante Zweizügigkeit wird schon bald aufgegeben; ab 1966 wird die Schule dreizügig geführt.

Die Musik

Es gab von Anfang an Musik, und nicht zu knapp.

Herr Dr. Keusen begründet am 15.12.1968 in der orgelbestückten Aula des Erzbischöflichen Gymnasiums eine Konzertreihe mit dem Namen „Beueler Bachstunden“, die in der Bonner Kulturszene einen markanten
musikalischen Akzent im ansonsten leicht provinziellen Beuel setzt. Die Reihe beginnt mit Orgelkonzerten, die Herr Keusen selbst gibt, und steigert sich im Lauf der nächsten Jahre u.a. mit Konzerten renommierter auswärtiger Orchester, wobei das Symphonieorchester aus Tokio sicher einer der Höhepunkte ist. Auch die Regensburger Domspatzen machen einige Male in Beuel Station.

Leider wird dieser anspruchsvolle musikalische Kulturbetrieb – wie überall – nach immerhin mehr als 10 eindrucksvollen Jahren so teuer, dass er durch die Einnahmen allein nicht mehr zu finanzieren ist. Somit werden die Beueler Bachstunden eingestellt.

Ehrenvoll für das Gymnasium ist in mehreren Jahren die Teilnahme von Knabenchören – durch Dr. Keusen einstudiert – an Aufführungen der Bachschen Matthäus-Passion in der Bonner Beethovenhalle.

Ende der 70er Jahre tritt das Blasorchester des „Erzbischöflichen“ erstmalig in das musikalische Rampenlicht, und zwar im November 1979 durch die Teilnahme am Beueler Martinszug.

Drei Jahre danach übernimmt Musiklehrer Andreas Berger, ein Eigengewächs der Schule, die Leitung des Orchesters. Das ist der Beginn einer großen Erfolgsstory, die sich bis heute zu einer ungemein breiten Orchestervielfalt  entwickelt hat.
Und deshalb ist es zwar nicht verwunderlich, aber höchst bemerkenswert, dass die KFG-Big-Band „Groovin’ Beefsteak“ im Jahr 1994 den NRW-Jugend-Jazz-Preis gewinnt.

Die Jubiläumskonzerte des Jahres 2002 zum 20-jährigen Bestehen des Blasorchesters sind noch gut in Erinnerung, u.a. beispielsweise der musikalische Prozess „Peter gegen den Wolf“, bei dem es juristisch, parodistisch und didaktisch zuging, und das alles mit Musik. Zeitweilig wurde es dem Hauptangeklagten, dem Wolf  mit Direktorenfüllung, ganz schön warm in seiner Haut.

Erwähnt sei hier auch Herrn Bergers kleine, aber feine Blues- und Dixie-Band mit dem flotten Namen „Rabbit-Tail-Jazzband“, die 1977 gegründet wurde und immer noch die Instrumente hochhält; Tim Haenelt, einst Schüler, jetzt Kollege am KFG, gehört auch zu dieser Band.

Erfreulicherweise bleibt bei all dem „Brass“ (rheinisch) bzw. (english) „brass“ dem Trompetensolisten Berger immer noch etwas Zeit für die Dokumentation eigener musikalischer Produktionen.

Ein zusätzlicher musikalischer Anreiz wird seit 1986 an der Schule dadurch geboten,  dass Instrumentalunterricht mit Leihinstrumenten der Schule  von ausgebildeten Musiklehrern angeboten wird. Dadurch kann man zugleich den Orchesternachwuchs im eigenen Haus sichten und ausbilden.

In den frühen Siebzigern trägt man sich an der Schule und auch beim Schulträger mit Überlegungen, an unserer Schule ein Musikinternat einzurichten. Diese Planung geistert einige Jahre durch die Köpfe etlicher Beteiligter, bis sie schließlich  - zur großen Enttäuschung der engagierten Befürworter - vom Schulträger ad acta gelegt wird.

Sprachlabor und Tonstudio

Einen anderen Schwerpunkt in der von Anfang an großzügigen Ausstattung der Schule stellen das Ende 1970 fertiggestellte moderne Sprachlabor und ein ebenfalls gut ausgestattetes Tonstudio dar.

Nach anfänglich intensiver Nutzung ebbt allerdings im Laufe der folgenden Jahre die Sprachlaboreuphorie an den Schulen generell ab. So ergeht es auch unserem  Sprachlabor. Immerhin wurde es bis vor ca. 2 Jahren von einigen unentwegten Kolleginnen und Kollegen  noch regelmäßig benutzt. Inzwischen harrt der umgebaute Raum auf seine Bestückung mit PCs und auf seine erneute Inbetriebnahme, diesmal als  hochmoderner Multimediaraum.

Auch das Tonstudio war seinerzeit auf hohem technischem Stand und wurde zur akustischen Dokumentation schulischer Ereignisse und u.a. zur Produktion kleinerer Hörspiele benutzt.

Heute dient es unserer Radio AG „Frings-on-air“ zur Produktion einer eigenen Sendereihe, die regelmäßig in „Radio Bonn-Rhein-Sieg“ gesendet wird.

Soziale Aktionen

Schon in den frühen Jahren gibt es natürlich auch soziale Aktionen, und zwar durchaus originelle:

So verkaufen z.B. Schüler zu Weihnachten des Jahres 1969 Weihnachtsbäume und bringen so einen Spendenbeitrag von 1400.- DM für hungernde Kinder in Biafra zusammen.

Man spendet Geld an die Welthungerhilfe für Äthiopien oder sammelt Spielzeug für Kinderheime und bedürftige Familien.

Im Jahr 1989 beteiligt sich das KFG erstmalig mit den anderen 11 freien Schulen in Bonn unter dem Motto „Go to Togo“  an einen Hungermarsch, der mehr als 100000.- DM einbringt.

Ende September 94 ist man auch am 3. Hungermarsch der Bonner Privatschulen für Togo wieder kräftig beteiligt; insgesamt kommen mehr als 200000.- DM ein.

Auch in den folgenden Jahren geht der sozial-karitative Einsatz durch die Unterstützung verschiedener Projekte weiter, treibt 2002 und 2003 auch besondere Blüten. Da putzt nämlich Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm als barocker Staubengel oder eher vielleicht als Staubputto zusammen mit Schülerinnen und Schülern des KFGs für gute Zwecke der Kindernothilfe.

Das aktuelle Projekt heißt Armenien!  Aber dazu nachher noch ein Wort.

Kontakte zum Ausland

Stichwort Auslandskontakte. Diese knüpft man erstmalig im Januar 1970 in Richtung Frankreich. 35 Schüler begeben sich auf eine Partnerschaftsreise nach Saint-Dié in den Vogesen.

1981 fährt eine Schülergruppe nach Lyon, doch bleibt es bei diesem einen Mal.

Erst einige Jahre später, Mitte der 80er Jahre, wird dann durch Vermittlung des damaligen Schulpflegschaftsvorsitzenden Dr. Dame die Austausch-Partnerschaft mit dem französischen Lycée „La Malgrange“ in Nancy begründet.

Auch musikalisch wird diese Partnerschaft gepflegt. So reist im März 1988
unser Schulorchester nach Nancy, um dort erfolgreich zu konzertieren.
Der Besuch des Malgrange-Orchesters hier in Beuel vor ca. 2 Jahren ist noch gut in Erinnerung.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends wird von der Fachgruppe Französisch eine weitere Partnerschaft mit dem „Lycée  de la  Sauque“ in Bordeaux angedacht und in die Tat umgesetzt.

Bordeaux! In der Tat: Ein nicht nur pädagogisch interessantes Projektgebiet.

Kontakte werden auch über den großen Teich hinweg geknüpft. Im März 1983 beginnt mit der Reise von elf Schülern unter der Leitung von Herrn Steven der über etliche Jahre hinweg praktizierte Austausch mit der Mt.-
Carmel-High-School in Chicago; bereits 3 Monate später fliegt der Gegenbesuch aus Chicago in Bonn ein. Nicht zuletzt durch die Einführung der Koedukation am KFG endet diese Beziehung.

In den letzten 6 Jahren wird der Kontakt zu den Vereinigten Staaten durch den Besuch von Schülergruppen im Mormonenstaat Utah gehalten. Gastschule ist die Pleasant-Grove-High-School in Utah-Valley.

Last not least besuchen im Frühjahr 1997 erstmalig 13 irische Austauschschüler aus Galway für 14 Tage unsere Schule. Seitdem läuft der von Herrn Wimberger, unserem jetzigen Schulleiter,  initiierte und regelmäßig praktizierte Austausch mit dem St. Enda’s College in Irland.

Der Unterricht

Übrigens: An der Schule wird auch unterrichtet:

Das erste Abitur am „Erzbischöflichen“ wird 6 Jahre nach der Gründung – man hatte ja 1964 auch mit einer Quarta, also einer 7. Klasse, begonnen -  im Juni 1970 mit Kardinal Höffner als Ehrengast gefeiert.

Das letzte konventionelle Abitur in Klassenverbänden wird 1976 absolviert,
danach erlangt man die Reife gemäß den Regelungen der reformierten Oberstufe.

Im Gefolge der 68er Studentenunruhen gibt es in den 70er Jahren wie an anderen so auch an unserer Schule, die ja keine Insel der Seligen ist, Probleme mit der Kleiderordnung beim Abitur. Man versucht zwar den Grundsatz „Abitur gibt’s nur mit Krawatte“ möglichst lange beizubehalten, hat aber doch so seine Schwierigkeiten damit.

1968 und die Folgen

Anlässlich des Stichwortes „68er Studentenunruhen“ sollte hier ein anderes etwas heikles Schulkapitel nicht ausgespart werden:

Auch im journalistischen Bereich schwappen die Ausläufer der besagten Studentenunruhen Mitte der 70er Jahre auf unsere Schule über.  Eine aufmüpfige Schülerzeitung namens „Fiasco“ (Nomen est omen) stellt in ihren Ausgaben immer wieder durch provokative Artikel die Geduld der Lehrer- und Elternschaft auf harte Proben; das führt zu erheblichen nicht nur innerschulischen Auseinandersetzungen. Zwischenzeitlich wird die Zeitung vorübergehend eingestellt, man versucht es mit kurzlebigen Alternativen wie dem „Dompfaff“, der aber nur wenige Nummern lang zwitschert, schließlich lebt Fiasco mit dem neuem Namen „Fiasko“ (k statt c) wieder auf und hält sich immerhin noch bis in die Mitte der 90er Jahre, dann verschwindet es endlich in der Versenkung.

Sportliches

Nach diesem Grabesgesang sei zur Aufmunterung ein fußballerischer Höhenflug eingestreut, den unsere Fußballschulmannschaft im Jahr 1983 bietet : Sie wird unter ihrem Trainer Andreas Berger zunächst Mittelrheinmeister und dann Regierungsbezirksmeister. Leider verliert man dann das Endspiel um die westdeutsche Schulmeisterschaft unglücklich und knapp mit 2 : 3.

Nicht vergessen sollte man auch die gute und erfolgreiche fußballerische Arbeit, die unser Ehemaliger Peter Junker seit vielen Jahren mit verschiedenen Schulmannschaften leistet.

Apropos Leistung: Auch die Ruderriege der Schule unter Herrn Weiffen und Herrn Graaf, ist immer wieder erfolgreich, zuletzt noch bei „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin. Deshalb wurde und wird ihnen ab und zu auch mal ein Boot spendiert.

Aus dem Schulalltag

Auch andere Alltäglichkeiten bzw. Alljährlichkeiten ereignen sich im Verlauf der vielen Schuljahre:

So weisen die Lehrer zur Martinszeit mit Sitzdemonstrationen (sog. Sit-ins) auf ihre unzureichende Besoldung hin.

Der überflüssige, aber unersetzliche Hofreinigungsdienst des KFG dehnt seinen Tätigkeitsbereich auf das Rheinufer aus.

Und die Abi-Scherze werden immer verrückter: 1985 fliegt man die Lehrer sogar per Helikopter in die Schule ein.

Mädchen am KFG

Schulorganisatorisch gesehen setzt im 2. Halbjahr 1985/86 eine neue Phase in der Zusammensetzung der Schülerschaft ein. Es beginnt die Leistungskurs-Kooperation mit der erzbischöflichen Liebfrauenschule, der sich dann später nach längerem Zögern auch das erzbischöfliche Adelheid-Gymnasium nicht verschließen kann. Das ist ein neues Bild: Schülerinnen am KFG. Anfangs bewegen sich die weiblichen Gäste noch unsicher und vorsichtig auf dem fremden und ungewohnten Terrain, gewöhnen sich jedoch allmählich ein.

Die erfolgreiche Kooperation mit LFS und SAG  hat bis heute Bestand. Sie führt zwangsläufig auch dazu, dass Ende des Schuljahres 87/88 die ersten Mädchen an unserer Schule im Abitur geprüft werden.
                    
Nachdem, wie eben berichtet, die Oberstufe bereits durch das weibliche Element durchsetzt bzw. partiell unterwandert ist, wird mit dem Beginn des Schuljahres 88/89 das KFG, ein bisher ein reines Jungengymnasium, koedukativ. Was in dieser Formulierung lakonisch kurz klingt, war in der harten Wirklichkeit mit viel Engagement, zähen Debatten, großer Geduld und langsamen Entscheidungsprozessen verknüpft.

Da war vor allem die Befürchtung auf Seiten des Schulträgers, dass durch diese Veränderung, die auf der Initiative des Lehrerkollegiums beruhte und dann von den Schulgremien und z.B. auch dem Pfarrgemeinderat von Heilig-Kreuz mitgetragen wurde, dass also durch diese Schulstrukturveränderung in Beuel das benachbarte Adelheid-Mädchengymnasium in seinem Bestand betroffen sein könnte – eine Befürchtung, die sich als völlig unbegründet erweisen sollte.

Die Entscheidung über Ja oder Nein lag am Ende des Meinungsbildungsprozesses allein bei unserem damaligen obersten Dienstherrn, Herrn Kardinal Höffner. Er nahm sich die schriftlichen Unterlagen für diesen Antrag des KFG mit in den Sommerurlaub 1987 und entschied sich nach eingehender Prüfung der Akten für die Einführung der Koedukation am KFG – sehr zur Überraschung seiner Schulabteilung unter der Leitung von Prälat Henrichs. Kardinal Höffner verdanken wir, dass diese gewünschte Veränderung zu neuer Aufbruchsstimmung im Kollegium und der Schule generell führte.

Verschiedene Nachträge

Nun kurz einige Nachträge zu den späten 80er und den frühen 90er Jahren.

Wir  überspringen so wichtige Ereignisse wie die Tatsache, dass der Beueler Martinszug ab 1988 aus Tierschutzgründen ohne lebende Gänse im Käfig durchgeführt wurde.

Wir streifen den Versuch unseres Schulleiters Dr. Zimmermann, neue und unkonventionelle Möglichkeiten der Schülerbeförderung zu testen.

Wir erwähnen auch nur kurz, dass unser Ehemaliger Bernward Granel zu Beginn des Jahres 1989 zum „Geheimsekretär des Bischofs“ Kardinal Meisner, also zu seinem Kaplan, ernannt wird.

Im April 89 feiert die Schule ein echtes Jubiläum, nämlich ihr 25jähriges Bestehen. Und so sieht das immer noch handverlesene Kollegium zu dieser Zeit aus. Die Zahl der weiblichen Lehrkräfte hat sich auf 7 von insgesamt 45 erhöht. Zum Vergleich: Heute sind von insgesamt 60 Lehrkräften 23 weiblich.

Allerdings fühlt sich die Schülerschaft durch die Jubiläumsfeierlichkeiten nicht besonders animiert.

Außerdem beschließt man nach dem Hauptstadtbeschluss gegen Bonn und für Berlin, das von der Volksbank geschenkte „Bröckemännche“ in der Schule mit dem  Allerwertesten in Richtung Berlin anzubringen.

Das Jahr 1994 ist vom überraschenden Tod der beiden bisherigen Schulleiter unseres Gymnasiums, des pensionierten und des amtierenden, überschattet. Am 22. Juni stirbt der Gründungsdirektor des Gymnasiums, Herr Dr. Zillien, im Alter von 78 Jahren. Wenige Wochen nach Beginn des Schuljahres erliegt am 14.9.1994 unser amtierender Schulleiter Dr. Zimmermann im Alter von 61 Jahren einer Krankheit, die in den Monaten davor bereits besiegt zu sein schien.

Trotz alledem: Das Schulbetrieb muss weitergehen. Die Schulgeschäfte werden vom stellvertretenden Schulleiter im verbleibenden laufenden Schuljahr 94/95 kommissarisch geführt. Zu Beginn des neuen Schuljahres, am 1.8.1995, übernimmt der vom Schulträger bestimmte neue Direktor, Herr OStD Karl-Ludwig Wimberger, die Leitung der Schule.

Theater am KFG

Streifen wir noch so kurz wie möglich einige spektakuläre Highlights des letzten Schuljahrzehnts, insbesondere aus dem Theaterbereich.

So inszeniert im Schuljahr 94/95 die Theatergruppe der Schule unter der Leitung von Herrn Fuß und Frau Dr. Gerresheim einen besonders anspruchsvollen Klassiker, die Dreigroschenoper. Dieses Team hatte sich bereits in früheren Jahren durch die Aufführung bekannter Stücke um die Theaterkultur am KFG verdient gemacht. Erinnert sei an Molières „L’Avare“, Dürrenmatts „Romulus der Große“ oder Frischs „Chinesische Mauer“.

Literaturkurse von KFG und LFS inszenieren Anfang 93 Shaw’s Pygmalion in rheinischer Mundart.    
            
Ende 93 kooperiert man der Abwechslung halber mit dem Adelheid-Gymnasium und führt gemeinsam das Rockmusical „Strubbeltatz“ auf.

Die Glanzlichter der letzten Jahre sind Ergebnisse von Herrn Ambergs professioneller Theaterarbeit mit verschiedenen Literaturkursen:

  • Im Sommer 2000 die Inszenierung von Oscar Wildes „Bunbury“,
  • 2001 eine beeindruckend-beklemmende  Einstudierung des Dürrenmatt- Klassikers „Die Physiker“,
  • 2003 die nicht weniger überzeugende Dramatisierung von Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“.

Der Förderverein

Da wir gerade von Engagement gesprochen haben: Was wäre eine Schule heutzutage ohne einen engagierten Förderverein ? Klare Antwort: Die Schule wäre ärmer, also wären die Lehr- und Lernmittel wesentlich knapper bemessen, also blieben die Schüler dumm wie Schafe. (Frage: Sind Schafe wirklich dumm?)

Aber mitnichten. Auch unsere Schule hatte das Glück, seit dem Jahr 1973 über alle folgenden Jahre hinweg bis heute von einem Förderverein finanziell gepäppelt, ideell gestützt und dadurch intellektuell gepuscht zu werden. So wird beispielsweise 1980 die komplette Ausstattung eines Oberstufenraumes vom Förderverein finanziert, im November 97 wird durch die großzügige Unterstützung seitens unseres langjährigen Fördervereinsvorsitzenden Herrn Dautzenberg  ein neuer Oberstufenaufenthaltsraum renoviert und möbliert.

Unserem amtierenden Förderverein mit Herrn Künzel an der Spitze ist es neben etlichen anderen Aktivitäten zu verdanken, dass seit dem Jahr 2001 unsere Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrer in den Pausen von treusorgenden und freundlichen Teams der Cafeteria-Müttern mit gesundem, trotzdem leckerem und preiswertem Frühstücksproviant versorgt werden. Ohne diese nahrhafte Einrichtung wäre das Pausenleben in der Schule trist, grau und hohlwangig.

Sonstiges

Infolge einer so ausgewogenen Pausenernährung bleiben die Erfolge von Schülerinnen und Schülern beispielsweise beim Bundeswettbewerb Physik nicht aus.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Förderverein hat inzwischen auch das Schulpatrozinium einen neuen Stellenwert innerhalb des Schuljahres erhalten. Seit einigen Jahren feiern wir dieses Fest im Sommer, und zwar am Freitag nach Fronleichnam, und auch bei dieser Gelegenheit trägt der Förderverein ganz wesentlich zum Gelingen bei durch den Einsatz von  „man-“ und „woman-power“ in Gestalt von Vereinsmitgliedern.

Beim Patrozinium 2002 lautete das unausgesprochene Motto: Buchstaben bilden Menschen - Menschen bilden Buchstaben!

Dabei ging unser hoher Gast, Kardinal Meißner, sogar im wahren Sinne des Wortes in die Luft, um einmal die Perspektive seines Dienstherren zu genießen oder ihm zumindest, wie der Feuerwehrmann es ausdrückte, etwas näher zu kommen.

Nachträge

Nach dieser Art von Höhenflug landen wir fast in der Gegenwart und sind sogleich wieder mit unserem Anfangsproblem der kaum erreichbaren Vollständigkeit eines solchen Rückblicks konfrontiert. Was haben wir nicht alles bisher unerwähnt gelassen:  Kunstausstellungen, naturwissenschaftliche Aktionen, die von Herrn Dr. Wilmes initiierte Informationsreihe „Schule in der Diskussion“, Ausflüge, Fahrten und Studienreisen aller Art,  Berufsinformationsmaßnahmen, die ND-Jugendgruppen, Frau Kessel und den Jazzdance, Streitschlichtung, Sanitätsdienst, offene Türen usw. usw.

Das Jahrbuch

Glücklicherweise bietet die Schule seit 1997 eine publizistische Besonderheit: Die Jahrbuch AG. Sie fertigt unter der routinierten Leitung von Herrn Schlinkmann und der ebenso verdienstvollen Mitarbeit äußerst kompetenter und engagierter Oberstufenschülerinnen und -schüler Schuljahr für Schuljahr ein stupendes, umfang- und abwechslungsreiches Bilder- und Lesebuch mit Berichten über das gesamte Schulleben im Allgemeinen und Besonderen an.

Mit Hinweis auf diese Dokumentation und die zusätzlich von diesem Team mehrmals im Schuljahr erstellten KFG - News kann ich mich also zumindest für die letzten Jahre entlasten.

Organisationszentralen

Allerdings nicht, ohne zwei unerlässliche Organisationszentralen ausrücklich herauszuheben: unser Zentrum für Bürokratie und Lebenshilfe, das Sekretariat, und unsere technisch-logistische Intensivstation, die Hausmeisterloge. Um die wichtigsten zu nennen: Ohne unsere Sekretärinnen Frau Müller, Frau Steffens, Frau Sand, Frau Lukisch, Frau Mader und Frau Samardzic und ohne unsere Hausmeister Herrn Kiefer, Herrn Eich und unseren damaligen Unterkiefer, jetzigen Unter-, Mittel- und Oberkiefer, Herrn Lukisch, wäre das Projekt KFG  ganz jämmerlich zum Scheitern verurteilt gewesen und wäre es auch heute noch.

Armenienprojekt

Ein prinzipielles Ja zu unserem aktuellen Projekt, dem Armenienprojekt, das von Herrn Blume über Renovabis angeregt und auf den Weg gebracht und dann von der Schule insgesamt, vom Schulleiter über die Elternschaft bis hin zum Fünftklässler, aufgegriffen worden ist und mit großem Elan getragen wird.

Zum Schluss

Wir sind am Ende unserer je nach Blickwinkel kurzen bzw. langen 40-jährigen Zeitreise angelangt. Aber was sind schon 40 Jahre? In 40 Jahren kann man – nach alter Schulzeitrechnung – knapp dreimal vom ersten Schuljahr bis zum Abitur kommen, eine Ehrenrunde eingerechnet.

In 40 Jahren ist manches passiert: Mal stand uns das Wasser fast bis zum Hals, ein anderes Mal wurden wir von gelehrigen und eifrigen Lateinschülern über das bevorstehende, aber dann doch nicht eingetretene Jüngste Gericht schriftlich informiert.

Das 5. Schuljahrzehnt ist eingeläutet. Wir blicken mit Optimismus in die Zukunft und hoffen, dass es gute Jahre werden, auf die man beim nächsten wirklich runden Geburtstag der Schule, also beim fünfzigsten, gerne zurückschauen wird.

Dr. R. Lenzen