Fachbereiche » Deutsch » Projekte » "Es Schillert(e)" (2005/06) » Es schillert! – Ein Zeitgenosse aller Epochen am KFG

Es schillert! – Ein Zeitgenosse aller Epochen am KFG
Nachlese zum Patrozinium

Friedrich Schiller – oft geehrt und gefeiert als Sprecher eines patriotisch-moralischen Sonntagspathos, Nationaldichter und Klassiker, 200 Jahre tot – kanonisch im Deutschunterricht, aber verstaubt und abgelegt? Nur noch Pflichtlektüre für bildungsbeflissene Deutschlehrer und ihre Schüler?
Die Blitzlichter aus dem Unterricht des vergangenen Schuljahrs, die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen auf Schiller werfen, sprechen eine andere Sprache: Schiller ist aktuell, Schiller ist spannend, Schiller macht Spaß und inspiriert!
Auf Schillers Spuren durch das KFG, seine Scherenschnitte weisen den Weg, denn Es schillert! am diesjährigen Patrozinium. Wahrhaft schillernd, dem Motto getreu, wurde ein facettenreicher Blick auf den berühmten deutschen Dichter Friedrich Schiller geboten. Es war zugleich der Auftakt für das neue Konzept des Patroziniums, auch inhaltlich etwas aus dem Schulleben am Schulfest vorzustellen.

Schon ein erster Blick auf den berühmten Dichter, den die Schülerinnen und Schüler in ihrer Ausstellung im musischen Trakt gewährten, macht neugierig:
Schiller war nie im Ausland, nie im Hochgebirge, nie am Meer,
war kein Finanzgenie,
war Vielschreiber und avancierte zum Klassiker,
stand zwischen zwei Frauen,
ist Urheber zahlreicher geflügelter Worte, die wir auf der Zunge tragen,
erfand das Theater neu,
besingt die Freude und die Freundschaft,
philosophiert über die Freiheit und die Kunst,
lässt seine Figuren lieben, kämpfen, seufzen, schreien....

"Mit Laola-Wellen durch den Saal", mit viel Beifall in einer überfüllten Aula wurde Schiller schließlich auf die Bühne gebracht und begrüßt.
In ihm loderte eine Flamme, eine Leidenschaft für die Dichtkunst, die ihn unermüdlich anspornte und gegen alle Widerstände schreiben ließ. Die Radikalität seines revolutionären Denkens zeigt sich in den Dramen seiner Jugendzeit: Mit Pathos wurde dem Zeitalter auf allen Lebensgebieten der Kampf angesagt, die revolutionäre Leidenschaft des Sturm und Drang findet seine eigene Sprache. Schiller hatte den Ton des revolutionären Dramas geschaffen, in dem die Sittengesetze fordernd und drohend die bestehende Welt verdammen. Auch in seinen späteren Schriften zeigt sich ein Enthusiasmus für Menschlichkeit, für Freiheit und Glück der Menschen und Völker in einer weitausschweifenden Sprache. Schiller war und ist nicht nur „der Klassiker“, sondern auch Rebell – und ganz aktuell: Die Schülerinnen und Schüler verleihen dieser Einschätzung auf verschiedene Weise Ausdruck: mit einem Rap zu Schillers Jugend über die Interpretation der berühmtesten Szene aus „Wilhelm Tell“ bis hin zur Umformung einer Szene aus „Kabale und Liebe“ in Jugendsprache.
Auch Schillers euphorische Ode an die Freude, die vom Glück singt, eines Freundes Freund zu sein, wird gespiegelt: Heaven, earth and nature sing a joyful symphony und You just call on me, when you need a friend!

Schiller ist einmal als Zeitgenosse aller Epochen charakterisiert worden. Schiller ist auch unser Zeitgenosse, weil die Dinge, die er künstlerisch verhandelt, geschichtlich nicht abgegolten sind:
Sein Werk ist beherrscht von einer ethisch begründeten Freiheitsidee: das erhaben Gute, das Wahre, das edle Schöne, die Welt als sittlich geordnetes Reich ohne Willkür, in dem die Kunst den Menschen zur Freiheit erzieht. Freiheit ist immer an Verantwortung und Schönheit gebunden. Freiheit, sie entsteht nicht aus Kriegen oder anderen äußeren Umständen, sondern aus dem Inneren, aus der Kunst, denn:
„Sie ist nicht dort draußen, da sucht sie der Tor, sie ist tief in dir, Du bringst sie ewig hervor.“

Martina Vogt