„Christus an Rhein und Ruhr“ - eine Religionsstunde im August-Macke-Haus
Lernen kann auch heißen: sehen lernen. Diese Erfahrung machten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 bei einem Museumsbesuch mit ihrem Grundkurs Religion unter Leitung von Frau Schweigert. Dabei hieß es sich einzulassen auf eine vielschichtige Auseinandersetzung mit religiösen Fragen und Glaubensaussagen in der Sprache der bildenden Kunst.
Hier der Erfahrungsbericht eines Schülers:
Am 31.08.09 besichtigte der Religionskurs der Stufe 12 mit seiner Lehrerin Frau Schweigert die Ausstellung „Christus an Rhein und Ruhr“ im August-Macke-Hauses“, die sich besonders mit Christusdarstellungen von 1910 bis 1930 beschäftigt. In dieser Zeit besannen sich Künstler auf die Wirkmacht und spirituelle Kraft Jesu und reaktivierten damit eine damals verschüttete kulturelle Erinnerung. Christus erschien wieder als der Leidende und als Retter zugleich, was nach der Erschütterung durch den Ersten Weltkrieg in besonderer Weise galt. In den Wirren der Zeit zwischen Urkatastrophe und Ich-Verlust standen sich auch die Künstler an Rhein und Ruhr fremd gegenüber, sahen dem Anderen ins Antlitz und suchten nach neuer Spiritualität jenseits des Verlustes an Menschenwürde. Es war Jesus Christus, dessen Prinzip der Nächstenliebe einen Weg jenseits des Mordens und Verurteilens anbot, der seinen Schmerz nicht versteckte, sondern sein Antlitz zeigte und litt. Dies regte viele Künstler zu innovativem Schaffen an.
Der Kurs wurde von der Kunsthistorikerin Frau Dr. Marks-Hanßen durch die Ausstellung geführt, die in jedem Raum charakteristische Werke auswählte, um sie den Schülern näher zu bringen.
Ein sprechendes Beispiel: Auf dem Bild „Kreuzigungsszene“(1913) von Heinrich Maria Davringhausen ist die Szene der Hinrichtung Jesu als Massenveranstaltung zu erkennen, wobei alle Figuren ohne Gesicht gemalt worden sind, was auf die neuzeitliche Erfahrung von Anonymität und verlorener Individualität bezogen sein kann. Vor dem Gekreuzigten kniet Maria und trauert um ihren Sohn. Diese Darstellung erinnert eher an eine festivalähnliche Veranstaltung und überträgt so die Kreuzigung in die Lebenswelt die Moderne.
Nach der Führung durch das Museum suchte sich jede(r) Schüler(in) ein Gemälde aus, über das er/sie dann einen Artikel schreiben sollte. Dabei sollte nicht zuletzt der eigene Zugang zu dem Werk deutlich gemacht werden.
Abschließend lässt sich sagen, dass es eine gelungene Exkursion war, die einem auch die Situation der Menschen vor und nach dem Ersten Weltkrieg näher gebracht hat, die sich auf den Bildern in beeindruckender Weise widerspiegelt.
Text: Benedikt Mörtenkötter, GK Religion 12 kr2 (Schw)











