Legasthenie. Was ist das?
Ursachen und Fördermöglichkeiten bei Lese-Rechtschreib-Schwäche
"Die Lese- und Rechtschreibschwäche wird mit einer ganzen Reihe von Faktoren in Zusammenhang gebracht. Häufig ist deren Einfluss jedoch nicht belegt. Umfangreiche Forschungsarbeiten, die gerade in den letzten Jahren durchgeführt wurden, deuten als zentrale Ursache auf ein spezielles Problem im Gedächtnis hin: das Abspeichern und Abrufen von Sprache. Andere Gedächtnisbereiche neben der Sprache sind nicht oder kaum betroffen.
Die Schwierigkeiten beginnen schon mit der gesprochenen Sprache. Zu Beginn des Schriftspracherwerbs fällt es den betroffenen Kindern jedoch besonders schwer, gesprochene Wörter in ihre einzelnen Laute zu zerlegen. In der Fachsprache sagt man, es fehle ihnen an einer phonologischen Bewusstheit. Darüber hinaus brauchen sie sehr lange, um sich die Buchstaben-Laut-Beziehungen einzuprägen. Ein Teil der lese-rechtschreibschwachen Schüler/-innen tut sich außerdem mit dem „Zusammenschleifen“ von Buchstaben zu ganzen Wörtern schwer. Sollen die Kinder z.B. das Wort „rot“ lesen, so können sie „r-o-t“ sagen. Sie sind aber nicht in der Lage, die drei Laute zu dem Wort „rot“ zu verbinden. Im weiteren Verlauf des Schriftspracherwerbs besteht das Problem lese-rechtschreib-schwacher Kinder darin, dass sie die orthografischen Besonderheiten von Wörtern (z.B. riechen, Wetter, nehmen) nicht so gut abspeichern und wieder aus dem Langzeitgedächtnis abrufen können. Wie kann man den Kindern helfen? Am Anfang des Lesen- und Schreibenlernens tut man gut daran, besonders intensiv die Fertigkeiten einzuüben, an denen es den Schülerinnen und Schülern mangelt: die Phonologische Bewusstheit, die Buchstaben-Laut-Beziehungen und das Zusammensetzen von Buchstaben zu Wörtern. Hilfreich ist es auch, beim Lesen die Wörter in Silben zerlegen zu lassen.
Zum Einüben der Rechtschreibung kann man sich auf solche Wörter konzentrieren, die die Kinder immer wieder falsch schreiben. Eine gute Strategie ist es, vornehmlich diejenigen fehleranfälligen Wörter einzuüben, die in Diktaten und Aufsätzen besonders oft vorkommen (z.B. jetzt, ziemlich, nehmen). Solche häufig auftretenden Fehlerwörter decken einen nicht unbeträchtlichen Teil der Gesamtfehlerzahl eines jeweiligen Schülers ab. Dadurch tragen sie zur Verbesserung der Rechtschreibleistung stärker bei als alle anderen Wörter. Bei allem, was man unternimmt, muss jedoch Folgendes bedacht werden: ein Wundermittel, das das Problem in kurzer Zeit beseitigt, gibt es nicht. Stetes Üben ist auf jeden Fall erforderlich. Um dabei kostbare Zeit nicht mit fragwürdigen Methoden zu vergeuden, sollte man sich auf Übungen konzentrieren, deren Erfolg konkret nachweisbar ist."
[Dr. Gero Tacke ist Schulpsychologe in Tauberbischofsheim. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Lese-Rechtschreib-Schwäche. Er arbeitet mit betroffenen Kindern und deren Eltern, führt Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte durch und hat neben Materialien zum Lesen- und Rechtschreiben-Lernen eine Reihe von Artikeln im Bereich LRS veröffentlicht. Darüber hinaus hat er wissenschaftliche Studien durchgeführt, die in Fachzeitschriften publiziert wurden.]










