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Wasser für Köln: Exkursion zur römischen Wasserleitung in der Eifel

25. November 2010 - Wie schafften es die Römer, ihre Colonia Claudia Ara Agrippinensium mit frischem Quellwasser zu versorgen? Die Klasse 7c ging dieser Frage am 27.10.10  auf einer Eifelexkursion nach. Sie führte sie von Nettersheim aus durch das Tal der Urft: von der Quellfassung „Grüner Pütz“ entlang der Trasse des alten Römerkanals - vorbei auch an der Stelle, wo die Römer eine Aquäduktbrücke errichtet hatten. An verschiedenen Aufschlüssen konnten die Jugendlichen die ausgeklügelte Baukunst der Römer bestaunen.

Text: Schweigert

Die römische Eifelwasserleitung

Köln wurde, wie viele andere Städte des römischen Imperiums, durch ein Aquädukt mit frischem Trinkwasser versorgt. Aquädukte bauten die Römer, wenn eine Stadt weit von Wasser entfernt war, oder das Wasser in der Nähe dreckig oder veralgt war. So entstand um 30 n. Chr. die 95,4 km lange Leitung aus der Eifel zur Stadt „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“. Dieses Aquädukt transportierte täglich 20.000 m³ kalkhaltiges Wasser. Die Kalkhaltigkeit des Wassers hatte zusätzlich den Vorteil, dass kein Blei, aus dem die städtischen Leitungen bestanden, ins Trinkwasser gelangen konnte, weil sich der Kalk in der Leitung absetzte. Mit der Länge von 95,4km gilt es als dritt größtes Aquädukt und größtes antikes Bauwerk nördlich der Alpen. Man vermutet, dass das Aquädukt vom Heer erbaut wurde, weil nur dieses das nötige Werkzeug und die Kenntnisse besaß. Die Leitung war einen Meter hoch, siebzig Zentimeter breit und verlief einen Meter unter der Erde. Sie bestand unten aus losen Steinen und darüber aus römischem Beton oder Mauersteinen. Zusätzlich wurde sie von außen und innen mit einem Putz aus Kalk und Ziegelsteinen verschmiert. Bei der Eifelwasserleitung trifft man kaum auf auffällige Hochbauten, weil die unter der Erde verlegte Leitung erhebliche Vorteile hat:

  • der Bauaufwand ist nicht so groß
  • sie hält die kühle Wassertemperatur
  • sie ist vor Frost geschützt
  • sie ist im Krieg schwerer zu zerstören

Einige Hochbauten gibt es trotzdem: Bei der Überquerung des Swistbaches findet man eine Bogenbrücke, von der aber heute nur noch ein Streifen Schutt zu sehen ist. Beim Bau der Leitung unterteilten die Römer die geplante Strecke in mehrere Abschnitte, an denen getrennt gearbeitet wurde. Die Arbeiter mussten pro zu laufendem Meter 3-4 m³ Erde ausheben. Außerdem wurden 1,5m³ Mauerwerk bzw. Beton und 2,2m² Putz verwendet. Dies sorgte dafür, dass bei ca. 180 effektiven Bautagen im Jahr 2500 Arbeiter 16 Monate lang beschäftigt waren. Das sind etwa 475.000 Tagewerke. Wie allgemein bekannt braucht Wasser Gefälle um zu fließen. Das Gefälle durfte nicht zu flach sein, weil sich das Wasser dann sammeln würde und mit der Zeit stehen und veralgen würde. Auch durfte das Gefälle nicht zu stark sein, weil der Druck die Leitung zerstören würde und später auch kein Gefälle mehr vorhanden wäre, womit wir wieder beim erst genannten Problem wären. Die Römer mussten also mit dem Höhenunterschied haushalten. Um das richtige Gefälle zu erreichen, hatten die Römer eine Art Wasserwaage, die an einem Balken befestigt war.Über Visierpunkte wurde ein weiterer Balken ein Stück weiter anvisiert. Jetzt wurde etwas Gefälle eingebaut. Zuletzt visierte man über beide Punkte einen dritten Balken an. Fertig war die Vermessung. Die Leitung wurde 180 Jahre lang benutzt und 260 n. Chr. nach einem Überfall durch Germanen zerstört und nicht wieder in Betrieb genommen. Später wurde die Wasserleitung zu einem Steinbruch. Heute zeugen nur noch wenige Abschnitte von der damaligen Leitung.

Text: Vincent Heitzer, Klasse 7c 2010/11